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rückblick: eiszueis - Lebensgeschichten: Jyoti Guptara

29. oktober / 19.00 bis ca. 20.30

Professioneller Geschichtenerzähler

Jyoti Guptara verkauft Magenbrot – und stellt sich so gegen das Kastensystem seiner kulturellen Vergangenheit. Der junge Autor schafft den Spagat zwischen internationalen Bühnen und Jahrmarktständen und erzählt im „eiszueis“ von diesen unterschiedlichen Welten.

Eine angenehme Erzählstimme unterbricht die gespannte Stille im eiszueis am Montagabend. Ein Wortschwall aus wohlklingenden, aber gekonnt gewählten Silben sind zu hören – dazwischen schleicht sich von Zeit zu Zeit ein englischer Begriff. Hinter der Stimme steckt Jyoti Guptara. Er ist professioneller „Storyteller“, Ehemann und Büroangestellter. Ihn treibt aber vor allem eines: Die Leidenschaft des Schreibens. Bereits im Alter von elf Jahren beginnen er und sein Zwillingsbruder mit dem Verfassen der Trilogie „Calaspia“. Zehn Jahre nachdem die geborenen Engländer in die Schweiz gekommen sind und deutsche Vokabeln büffelten, veröffentlichten sie bereits ihr erstes Werk. Es wird in vier Sprachen übersetzt und weltweit 100000 Mal verkauft.

Ein typischer Schüler war Guptara aber nicht: „Ich blieb nicht so lange in der Schule, wie man sollte“, sagt er mit einem Grinsen. Er schmiss die Kantonsschule und wurde selbstständig. Bis heute schafft er den Spagat zwischen internationalen Bühnen der Literatur und seinem Privatleben. Auch kulturell ist der junge Autor breit aufgestellt: Mit Wurzeln in Indien und England erlebte Guptara bereits in jungem Alter ein Spektrum an Wertvorstellungen. Ein wichtiges Thema ist für ihn der Glaube: „Religionen sind wie Brillen, durch die man die Welt sieht“, sagt er. Für ihn gibt es keinen Widerspruch zwischen Bibel und Wissenschaft ­– im Gegenteil. Egal ob Bildung, Politik oder Medizin, praktisch alle modernen Institutionen seien von Christen gegründet und aus ihrer biblischen Weltanschauung hervorgegangen. Das gelte für Spitzenuniversitäten wie Harvard, Cambridge und Oxford. Auch die Universität Zürich wuchs aus der theologischen Fakultät heraus, weshalb sie bis heute immer zuerst aufgeführt wird.

Um im finanziell schwierigen Verleger-Markt ein sicheres Standbein zu haben, habe er begonnen, als „Storytelling“-Berater mit Unternehmen zu arbeiten. Nun ist er „Chief Storytelling Officer“ der Martin Confiserie. Dort anzufangen war „wie ein Crash-Kurs der KV-Lehre“. Als Leiter der Event-Services gehört es dazu, manchmal mit Marroni-Pfannen zu hantieren oder Hüpfburgen aufzublasen. „Kann ich das?“, habe er sich bei der praktischen Arbeit oft gefragt und  bewundere seit dieser Tätigkeit die verschiedenen Arten von Intelligenz umso mehr.

Guptara plant, in nächster Zukunft nach Weinfelden zurückzukehren. Doch mit seiner Zukunftsplanung verhält es sich bei ihm wohl wie beim Schreiben: „Ich plane gerne, aber rollende Planung ist besser.“

1.11.2018, Marielle Heeb

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